Ich nenne das letzte Wochenende das Experiment, weil ich finde, dass Heather und ich etwas getan haben, das ein bisschen, naja, wenn nicht direkt gewagt war, so doch jedenfalls bisher noch nicht ausprobiert: wandern bei 35 Grad!
Und zwar die Art wandern, die wir hier so gerne "serious bushwalking" nennen (nur einige "ausgewählte" Leute aus dem bushwalking club verdienen das Attribut "serious bushwalker"), d.h. wandern mit Gepäck, Zelt usw.

Ich kenne Heather von der 3-Tages-Wild-Dog-Mountains-Tour, und da man ja auch nicht immer mit einem ganzen Pulk Leuten unterwegs sein möchte (obwohl die Mehrtages-Touren gewöhnlich weniger stark frequentiert sind - eben von den "ernsthaften" Wanderern, oder eben auch denjenigen, die sich mehr oder weniger "hineinverirrt" haben ohne jegliche Wandererfahrung - ich frage mich, warum der Club noch keine "Zulassungskriterien" hat für solche eher anspruchsvollen Touren); jedenfalls, man möchte ja auch mal seine eigene Tour machen.
Wir wussten lange vorher, dass es so heiss werden würde, waren deswegen gut vorbereitet. Zumindest wassermäßig, obwohl ich zugebe, dass ich nicht gedacht hätte, dass man dann doch 4 Liter trinkt an solch einem Tag, aber ich hatte 5 1/2, und der Sonntag war mit 22 Grad vergleichsweise kalt und weitaus weniger anstrengend. Außerdem nur 8 (im Gegensatz zu 17)km Distanz, also nur ein Katzensprung. Tatsächlich waren wir schon um 10:30 in Otford und konnten zu einem verdienten Apple Pie-Frühstück einkehren...
Aber um beim Anfang zu bleiben, wir haben uns das gut überlegt mit der Richtung und dass wir den langen Tag in brütender Hitze haben würden. Es ist ja durchaus nett, am Sonntag nicht zu spät nach Hause zu kommen, und dann ist es auch die Frage, ob 17km im Nieselregen besser sind als in der Sonne.
Wir waren auch durchaus nicht die Einzigen Verrückten, die unterwegs waren. Mit uns (oder vor bzw. hinter uns) waren zwei Paare und ein weiteres Grüppchen, plus eine Horde Pfadfinder, die zum Glück eine andere Route eingeschlagen haben, jedenfalls waren sie abends nicht auf dem Zeltplatz.
Im Royal National Park war ich im April schon mal, auf dem Camp (ohne wandern) mit ein paar Leuten aus dem Seminar, das ich letztes Semester interessehalber besucht habe. Der
Coast Track führt von Bundeena im Norden nach Otford im Süden und, wie der Name anklingen lässt, an der Küste entlang.

Leider ist noch keine Walsaison, sonst hätten wir sicherlich ein paar Wale oder auch Delphine sichten können. Dafür hatten wir die Ehre, einem
Schnabeligel (engl. Echidna) zu begegnen, wie (für mich) schon beim letzten Mal im Royal. Diesmal war er mitten auf dem Weg und ließ sich gar nicht von uns stören, blieb buchstäblich uns zu Füßen, naja, bis dann diese Horde Pfadfinder aufholte und ihm wohl zu laut wurde.
Wovon wir nicht ganz so begeistert waren, ist, dass jetzt Fliegenzeit ist, d.h. man wird umschwärmt und belästigt von Massen kleiner Fliegen, die es darauf abgesehen haben, einem bei jeder Gelegenheit in Augen, Nase, Ohren und/oder Mund zu fliegen. Ich habe mir schließlich mit einem Zweig Abhilfe geschaffen, den ich vorm Gesicht geschwenkt habe, was sie einigermaßen von ihren Aufdringlichkeiten abgehalten hat. Trotzdem hat es eine von ihnen in meinen Mund geschafft, und ich frage mich, was sie nun davon hatte, ausgespuckt auf dem trockenen Boden zu verenden...
Nach ziemlich anstrengenden aber auch wirklich schönen 17km, inkl. zwei Strand-und-Schwimm-Stopps und einer langen Mittagspause mit Sonnenbaden hatten wir es endlich zum Zeltplatz geschafft und - nach einem weiteren Erfrischungsbad - das Zelt aufgebaut, wieder mal gerade bevor es dunkel wurde. Ich hatte gerade den Campingkocher in Gang gesetzt, als ein netter kleiner Sturm aufkam (die Wettervorhersage sagte in der Tat etwas von "late change", allerdings nichts von einem Sturm), der das Zelt platt auf den Boden drückte und auch sehr spontan unsere achtlos auf dem Boden verteilten Klamotten in der Gegend verteilte (meine gerade erst aufgeblasene Isomatte, auf der ich mich mit meinem Essen niederlassen wollte, konnte ich 50m weiter Richtung Busch aufsammeln).
Während Heather unsere Sachen rettete, begab ich mich auf die Suche nach einem etwas geschützteren Platz für das Zelt, was nicht so einfach war, da der Zeltplatz eben eine Art Lichtung am Wasser war. Wir fanden zum Glück eine halbwegs gute Stelle, halbwegs im Busch, wo das Zelt ein bisschen größere Chancen hatte, aufrecht stehen zu bleiben. Wo wir dann auch bald von den anderen Campern Gesellschaft bekamen, die das gleiche Problem hatten.
Aufregend.
Der nächste Morgen war dann ein wenig trist, mit Nieselregen und den erwarteten 22 Grad; die einen allerdings troztdem zum Schwitzen brachten dank der hohen Luftfeuchtigkeit. Nach recht kurzen 8km und besagtem Applepie-Frühstück waren wir schon mittags auf dem Weg zurück nach Sydney, die nächste (Tages-)Tour planend...