Thursday, September 27, 2007

Autsch

Was ist schlimmer als ein Marathon?
Die Massage danach!

Habe ich mir gestern "gegoennt" als Art Belohnung. Hat ein nettes Suemmchen gekostet ($70 fuer 45 Minuten), aber dafuer bin ich jetzt um ein paar blaue Flecken reicher...
Auf einer Schmerzskala von 1-10 wuerde ich sagen, meine Beine wurden ungefaehr auf Stufe 12 maltraetiert. Da war gestern so schoen aller Muskelkater weitgehend verschwunden, und dann das. Heute geht es wieder einigermassen, obwohl mein Hintern immer noch ziemlich schmerzt (der ist zum Glueck nicht blau!).
Denn "netterweise" gehoerten nicht nur die Beine zum Programm, sondern auch die Pomuskeln (oh Schreck! darauf war ich nicht vorbereitet), und DIE waren vielleicht verspannt! Zur Abwechslung hatte ich heute also mal Probleme mit dem Sitzen, nicht mit dem Gehen...


Tuesday, September 25, 2007

4:13:34

So, jetzt muss ich ein wenig angeben.
Nachdem ich heute bereits wieder einigermaßen normal gehen kann (Treppen steigen, vor allem runter, ist aber nach wie vor eine einzige Qual) sowie mein offizielles Ergebnis habe, noch dazu (zur Feier des Tages) meine Marathonfotos bestellt, habe ich gerade richtig Lust, noch einmal in jenem unglaublichen Gefühlstaumel vom letzten Sonntag zu schwelgen.

Vielleicht erstmal ein paar Fotos.





Das wahrscheinlich ungewöhnlichste an den Fotos ist, dass ich auf den meisten so freudestrahlend lache. Sieht man mir ja gar nicht an, dass ich gerade 42km gelaufen bin! Aber ich habe mich den ganzen Lauf über unglaublich gut gefühlt - bis auf die rechte Achillessehne, die bei km 20 anfing zu ziepen, und der linke Oberschenkel, der ab km 30 auf einmal Mucken machte. Aber ansonsten... es klingt vielleicht überheblich , aber ich habe jeden einzelnen Kilometer genossen, wirklich. Vielleicht deswegen, weil ich langsam angefangen habe, mit meinem normalen Lauftempo, und erst später ein wenig Tempo aufgenommen habe (für die zweite Hälfte habe ich ca. 7 Minuten weniger gebraucht als für die erste, und insgesamt eben knapp 4 1/4 Stunden, wow).
Auf den letzten 10km sind dann die meisten meiner unmittelbaren Mitläufer mehr oder weniger nur gegangen, so dass ich ständig Leute überholt habe, was natürlich auch wieder unglaublich motivierend ist.

Der Kurs selbst war nicht allzu spektakulär, das Meiste war irgendeine große Straße hin und wieder zurück, ohne nennenswerte Zuschauerzahlen. Wo man durch die City gelaufen ist, waren auch mal ein paar Leute, die dankenswerterweise geklatscht und motiviert haben, und da ich ihnen stets ein strahlendes Lächeln (und gegebenenfalls - wo es passte - ein "thanks, mate", hihi) hingeworfen habe, wurde ich immer gleich noch ein bisschen mehr angefeuert (Zuschauer müssen schließlich auch motiviert werden).
Schön sind dann Kommentare, jenseits der 30km-Marke, so wie "great smile, that's what we wanna see" oder "well done; you're looking strong" (oder so ähnlich).
Tja, und wie man auf den Bildern sehen kann, der letzte Kilometer am Wasser entlang Richtung Opernhaus war wirklich das Sahnehäubchen auf dieser Marathontorte. Da waren dann natürlich auch plötzlich ganz viele Zuschauer und daher eine ganz andere Anfeuerungskulisse...
Die unglaublichsten Momente hatte ich auf der Zielgeraden. Ich war praktisch allein, da um diese Zeit das Feld ganz schön auseinandergezogen war (mit dem schönen Nebeneffekt, dass die Fotografen alle Zeit der Welt hatten, allein von mir 21 Bilder zu schießen, naja, von denen immerhin ein paar nett geworden sind). Niemand direkt vor mir, niemand hinter mir. Und dann fingen sie alle an zu klatschen und mich anzufeuern... Und ich wusste, dass das nur für mich war, da ja niemand vor/hinter/neben mir war. Unglaublich. Mir schießt jetzt noch das Adrenalin durch den Körper, wenn ich daran denke... musste mich ganz schön zurückhalten, um nicht zu schnell zu werden, sonst hätte ich auf den letzten paar hundert Metern womöglich noch schlappgemacht.

Hinterher ging dann alles ganz schnell, trinken, Medaille und finisher t-shirt abholen, Rucksack abholen, lachen, freuen, stolz sein...
Ich habe mich dann noch mit einem befreundeten Mitläufer, Dominik (auch aus Deutschland) getroffen, der seinen ebenfalls ersten Marathon in sagenhaften etwas mehr als 3 Stunden gelaufen ist (das müssen die Gene sein - er ist offensichtlich dazu geboren, ich nicht so sehr ;>). Wir hatten uns vorm Start schon getroffen, und er hat netterweise auch hinterher noch die ganze Stunde auf mich gewartet... was fantastisch war, denn so hatte ich jemanden, mit dem ich zusammen schwärmen konnte, jemand, der genau das Gleiche erlebt hatte und fühlte. Schöne Erlebnisse sind eben immer so viel schöner, wenn man sie teilen kann.

Hier nochmal ein vorher - nachher:



Wenn man bedenkt, dass ich mir vor Sydney noch geschworen habe, ich würde ganz bestimmt niemals wieder laufen... und plötzlich habe ich seit August 2006 einen 10km-Lauf, zwei 14km-Läufe, zwei Halbmarathons und einen Marathon auf dem Konto...


Tuesday, September 18, 2007

Der Countdown läuft...

Jetzt heißt es Daumen drücken für mich!
Sonntag ist der Marathon.

Plötzlich wird mir das bewusst. Dabei habe ich 4 Monate lang marathonspezifisch trainiert (und 8 wenn man das Halbmarathontrainig vom Anfang des Jahres mitrechnet). Insgesamt mehr als 500km bin ich in den letzten 16 Wochen gelaufen in etwa 65 Stunden und unter Verbrennung von nahezu 40.000 Kalorien. Sagt mein Herzfrequenzmesser.

Und doch ist es auf einmal so, als wäre das mit dem Marathon, also mit dem tatsächlichen Lauf am Sonntag, etwas ganz Neues.
Ich fühle mich mittlerweile auch wie ein Rennpferd, das in der Startbox auf den Startschuss wartet. Scharre buchstäblich mit den Hufen...

Das mit dem Kurzurlaub als Belohnung hat nicht geklappt (keine billigen Flüge bekommen), aber immerhin kann ich mich (bzw. meine Beine sich) auf eine ordentliche Massage freuen den Mittwoch drauf.

Saturday, September 08, 2007

Woy Woy, wie, wo?

Woy Woy ist einer der vielen lustigen australischen Ortsnamen, und in Woy Woy habe ich gestern einen netten faulen Tag verbracht.

Gestern war nämlich Feiertag wegen APEC; nicht, dass ICH jemals frei hätte, aber Tam hatte frei - meine deutsche Freundin, mit der ich ganz am Anfang in Epping gewohnt habe und die jetzt wieder zurück in Australien ist; halt leider nicht mehr in Sydney sondern in Woy Woy, ca. 80km nördlich von Sydney.
Lange Geschichte, warum sie jetzt dort ist, aber in Kurzform ist ihr Freund Daniel wieder nach Woy Woy zurück (wo seine Familie herkommt) und da ist sie dann halt mit.

Woy Woy ist jedenfalls ein beschauliches kleines Örtchen am Wasser. Ich habe schon mehrfach erwähnt, dass in Australien so manches ein wenig anders ist, und auch Woy Woy ist davon keine Ausnahme:

(1) Das Erste, das mir (eigentlich positiv) aufgefallen ist, ist der romantische Blick aufs Wasser von der Bahnhofstoilette aus (ich bin kurzfristig mal wieder zum Touristen mutiert und habe von allem und jedem Fotos machen müssen...) - gäbe es in der Stadt nicht!


(2) In Woy Woy gibt es mehr Pelikane als menschliche Einwohner.


(3) In Woy Woy behält man seine Schuhe im Pub noch an! (In Sydney ist das wurscht - Dresscode ist meistens "smart casual", was je nach Interpretation alle möglichen Outfits beinhaltet, zu denen man Flip-Flops oder High Heels tragen kann, und auch das (was man zu Flip-Flops oder High Heels trägt) ist hier individuelle Geschmacksache)


(4) In der ländlichen Idylle Woy Woys sorgt man sich außerdem noch um die Gesundheit aller, die der Junkies inbegriffen. Und stellt spezielle Spritzen-Abfallbehälter auf (bitte keine Briefe und anderen Müll einwerfen, nur benutzte Nadeln/Spritzen!). Die Junkies tummeln sich übrigens im Hintergrund.


(5) Zum Mittagessen waren wir im Pub und haben uns sicherheitshalber auf Spaghetti Bolognese verlassen (zum Glück mit Rind- und nicht wie so oft mit Lammfleisch). "Crumbed brains" war uns dann doch eine Nummer zu hoch - das ist Schafshirn. Was genau die "special sauce" ist, wollten wir dann gar nicht erst wissen.


(6) Grillen geht immer, selbstverständlich auch im Regen, und wenn man halt kein Verandadach hat, tut's auch ein Regenschirm! (Daniel, rechts, mit Cousin Brendan)


(7) Wenn man irgendwo bei Leuten übernachtet, stört das keinen, wenn jemand Wildfremdes in seinem Bett schläft; das ist nämlich das Haus von Daniels Tante (die übers Wochenende weg war), und ich bekam einfach ihr Bett, mit Bettzeug wie es war, und das bleibt auch drauf, obwohl ich drin geschlafen habe, wozu die Mühe... Hach, es ist alles so schön easy-going ;)

Saturday, September 01, 2007

Der etwas andere Lauf

Mein letzter richtig langer Lauf vor dem Marathon!
Ganze 4 Stunden, oh mein Gott. Bin also mal wieder früh morgens mit dem Zug in die Wallachei getuckert, diesmal ein wenig weiter raus, um mal was Neues zu sehen als immer die gleiche Strecke. Sonst wird das irgendwann so öde wie auf dem Laufband laufen...

Ein Kollege von mir ist mitgekommen; der hat keinerlei Marathon-Ambitionen, und deswegen war ich ein wenig skeptisch, dass er von seinem 2-Stunden-Lauf, den er irgendwann mal hatte (vor Wochen oder so) plötzlich auf 4 Stunden steigern wollte.
Ich glaube, er wollte mir nur was beweisen...

Na, mein Plan war gewesen, ihn auf halber Strecke abzusetzen sozusagen, das wäre ohnehin relativ nahe dort gewesen, wo er wohnt (der Kerl hat sich nicht davon abschrecken lassen, dass es erstmal ne halbe Stunde Busfahrt ist nach Chatswood, wo wir uns im Zug getroffen haben, und dann nochmal ne halbe Stunde mit dem Zug nach Hornsby, wo wir losgelaufen sind). Jedenfalls, von Hornsby läuft man über Epping (ja, das Epping, wo ich mal wohnte, und welches auf halber Strecke liegt) nach Chatswood, nur durch den Busch, auf dem Great North Walk, den ich bislang immer von Chatswood aus gelaufen bin (immer hin und den gleichen Weg zurück). Daher wollte ich heute zum ersten und letzten Mal in eine einzige Richtung laufen, und außerdem kannte ich das Stück zwischen Hornsby und Epping noch nicht.

Oder vielmehr, ich kenne es immer noch nicht... Tja, aufgrund eines wirklich merkwürdigen Irrtums habe ich bzw. wir ziemlich gleich zu Beginn die falsche Abzweigung gewählt und sind den Weg fröhlich in die falsche Richtung gelaufen. Was mir erst nach 50min aufgefallen war, und dann war es sowieso zu spät zum Umkehren (weil ich nicht mehr innerhalb von 4 Stunden nach Chatswood gekommen wäre).
Innerlich etwas unzufrieden mit der Sache haben wir den Weg aber fortgesetzt, das hieß halt, dass wir dann denselben Weg nach Hornsby zurücklaufen mussten. Was ich ja eigentlich habe verhindern wollen, nur dieses eine Mal! Aber diesen Weg kannte ich wenigstens noch nicht.

Und was soll ich sagen, wir hatten den allergrößten Spaß. Zwar verlief der Weg über Strecken sehr sonnenexponiert auf einem fire trail entlang (das ist so etwas wie ein "Forstweg", nur anders :>) und jener fire trail war ein wenig langweilig; meine bush runs sind sonst immer einfache Trampelpfade über Stock und Stein - wortwörtlich. Das kam dann zum Glück auch wieder. Sogar mehr als das... - huch:


(Als verantwortungsbewusster trail runner habe ich natürlich stets mein Handy dabei, man weiß ja nie, über was für Wurzeln man dumm stolpert. Obwohl es natürlich auch nicht sonderlich viel nützt, wenn man irgendjemandem mitteilt, dass man irgendwo zwischen A und B, wo man nur zu Fuß hinkommt, mit einem verstauchten Knöchel sitzt. Jedenfalls, für den gelegentlichen Schnappschuss zwischendurch ist es natürlich überaus nützlich.)

Die kleine Kletterpartie war eine nette Überraschung auf halbem Wege. Auf dem Rückweg sah das ganze dann schon ein bisschen anders aus (Hinweg war eigentlich bergab), als die Schlucht wieder erklommen werden wollte. Mit vielen Steintreppen usw. (Treppen sind das Schlimmste, was mir beim Laufen oder Wandern passieren kann). Die haben meinem Kollegen dann schließlich den Rest gegeben, das war nach 3 Stunden. Das hat ihm natürlich gar nicht gepasst, wie steht er denn jetzt da! Das Problem war halt auch gewesen, dass es mit der ungewollten Planänderung keine Möglichkeit gab, ihn nach 2 Stunden davon zu überzeugen, dass es vielleicht genug ist. Da hatte er's dann.

ICH musste aber eigentlich noch eine Stunde laufen, passte mir also gar nicht, dass er schwächelte. Er konnte aber zum Glück seine Wadenkrämpfe temporär auskurieren und dem dann wieder erreichten fire trail sei dank ging es erst mal eine Weile gut, bis es dann wieder richtiger bush track wurde. Der Ärmste konnte wirklich nicht mehr. Hab ihn dann gehend zurückgelassen - ich weiß, nicht sehr verantwortungsbewusst, aber ich hatte noch 40 Minuten zu bewältigen, und ich hatte ihn die letzten Tage über mehrfach gewarnt. Und ich hab Pfeile aus Stöckchen auf den Boden gelegt.

Ging alles gut letzendlich. Muss nächste Woche wahrscheinlich nur ein paar therapeutische Fähigkeiten an den Tag legen (die ich nicht habe), um ihm die fixe Idee aus dem Kopf zu vertreiben, dass ich ihn "besiegt" habe. Ich meine, ich hab nie behauptet, dass dies ein Rennen war... Und überhaupt, ich hab ihm von Anfang an gesagt, dass man nicht mal eben so 4 Stunden laufen kann. Also kann vielleicht schon, aber ich denke, er wird sich die nächsten Tage ziemlich mies fühlen.
Und ein bisschen freue ich mich doch insgeheim, denn ich hab all die Wochen Training hinter mir - hätte er mal eben problemlos mit mir mithalten können, wäre ICH diejenige, die frustriert wäre ;)