Saturday, April 14, 2007

Australiens höchster Berg ist eigentlich nur ein Hügel

So, wir sind wohlbehalten wieder zurück aus den "Bergen" und wissen nun, wie schnell sich das Wetter im alpinen Raum wirklich ändern kann!!!

Ich fange mal von vorne an - könnte eine etwas längere Geschichte werden.

Ich glaube, die weitaus panikreichsten Minuten hatte ich lange bevor wir überhaupt in der Nähe der Snowies waren; ich wusste im Vorhinein, dass unser kleiner Regionalflieger zum Snowy Mountains Airport eine Propellermaschine mit 11 Sitzreihen (à 3 Sitzen!) wäre, aber wenn man es dann so direkt vor sich hat...
Ich weiß nicht, warum ich ausgerechnet den großen Fliegern mehr traue als den kleinen (die sind doch viel leichter?!), aber überstanden haben wir's ja. Mit einer äußerst unsanften Landung allerdings, bei der es mich noch heute wundert, dass die Räder noch dran sind.

Interessanterweise haben wir das Meiste "wildlife" bereits auf der 1-stündigen Fahrt vom Flughafen nach Thredbo gesehen, einem Skiresort und Ausgangspunkt unserer Tour. Zwar war es bereits dunkel, aber am Straßenrand tummelten sich Wallabies, Füchse und Brumbies (na gut, 1 Wallaby, 1 Fuchs und 3 Brumbies), die von Glück reden können, dass unser Fahrer sie nicht über den Haufen gefahren hat, mit seinem Fahrstil à la gesengte Sau (pardon).
Brumbies sind übrigens Wildpferde. In den Kosciuszko National Park (zu dem die Snowies gehören) sind die vor etwa 100 Jahren von Bergleuten eingeführt worden; einige sind offenbar ausgebüxt oder wurden zurückgelassen und haben somit den heutigen Bestand gegründet.

Thredbo ist ein kleines Kaff mit etwa 300 Einwohnern (und in der Skisaison mit mehr als 10 mal so vielen Skitouristen), das bereits auf über 1300m Höhe liegt. Das ist so ungefähr die "Grundhöhe" der Region, was mich zu meiner Überschrift zurückführt: Da würden ja eigentlich fast weitere 1000m übrigbleiben für einen vernünftigen Berg wie Mt Kosciuszko (mit 2228m Australiens höchster); nicht ganz...
Ich hab's schon mal an anderer Stelle erwähnt, dass sich die gesamte Main Range in etwa auf 1900m Höhe befindet - bleiben für die "Gipfel" nicht mehr als gut 300m...
So dass der sich der höchste Berg Australiens dann halt doch nur als Hügel aus der Landschaft erhebt:


(Wir waren darauf vorbereitet, dass uns keine wirkliche alpine Landschaft erwarten würde, da gab es also keinen Grund zur Enttäuschung. Wir waren ebenfalls darauf vorbereitet, dass die 6km vom Sessellift zum Berg mit Eisenrosten versehen sein würden, die durch Massen von Tagesausflüglern verursachte Schäden und Erosion verhindern. Und ja, wir haben den Sessellift genommen anstatt 600 Höhenmeter auf 5km Weg zu überwinden. Man gönnt sich ja sonst nichts.)

Wie man sehen kann, starteten wir im schönsten Sommerwetter, und das sollte nach Aussage des australischen Meteorologieamts auch die nächsten Tage über anhalten.
Eigentlich wollten wir "Kosci" links liegen lassen auf unserem Weg über die Main Range, aber da wir dann schon mal dort waren, haben wir uns dann eben doch breitschlagen lassen, den "Gipfel" zu "stürmen". (Hihi, das hat keine 10 Minuten gedauert, gar nicht schlecht für einen 2200er).
Gar nicht überraschenderweise war die Sicht von ganz oben kaum anders als von 100m weiter unten, aber es ist doch schon irgendwie ein ganz eigenartiges Gefühl, zu wissen, man steht auf dem höchsten Berg des Landes, so dass es sich doch gelohnt hat.

Dann haben wir zum Glück die Massen hinter uns gelassen, denn die meisten kommen nur für Kosci und gehen den selben Weg zurück. Viel Alternativen bleiben auch nicht, da der Rundweg über Blue Lake ca. 30km lang ist.
Gut für uns, da wir völlig ungestört von Touristen die letzten 10km zum besagten Blue Lake zurücklegen konnten, um unser erstes Camp aufzuschlagen. Blue Lake ist übrigens einer von fünf Gletscherseen, die während der letzten Eiszeit geschaffen wurden, und präsentiert sich gerne auch mal ganz in Grau, wie in unserem Fall.
Viel Zeit zum kochen usw. bleibt nicht, da es so ziemlich um 18:15h dunkel ist. Zum Verweilen hat unser Lager ohnehin nicht wirklich eingeladen, da gegen 17h ein starker Wind aufkam, der uns eine gefühlte Temperatur von etwa -5° beschert hat. Natürlich waren wir darauf vorbereitet, aber ohne ein Lagerfeuer ist's halt wirklich nicht so gemütlich da draußen, und auch dann im "Bett" mit 2 Paar Socken, Thermounter- und Überhosen und Fleece (ach ja, und Winterschlafsack) hat es zwei Stunden gedaudert, bis meine Füsse warm waren und ich endlich einschafen konnte (anscheinend besteht da ein kausaler Zusammenhang).

(Brrr!)

In der Morgendämmerung gegen 6 habe ich beschlossen, einen Blick nach draußen zu wagen. Der Wind hatte sich noch immer nicht gelegt, aber da wir unter einem sternenklaren Himmel ins Bett gegangen sind (mit einem fantastischen Blick auf die Milchstraße, den wir vor Kälte leider nicht lange genießen konnten), habe nicht eine Sekunde daran gezweifelt, das schönste Morgenrot zu erblicken.

Leider habe ich eigentlich so ziemlich gar nichts gesehen.
Moment, ein paar kleine Fleckchen mit Neuschnee, aber sonst nichts.
Da war nichts als eine dicke Suppe aus Nebel, Sichtweite ca. 20 Meter.

Mit einem kleinen Schreckensschrei habe ich Heather aus dem Schlaf gerissen und bereits schon mal für mich beschlossen, dass wir auf keinen Fall weiter der Main Range folgen können. Denn bisher waren wir dem gut ausgebauten Rundweg zum Blue Lake gefolgt, unsere Route würde aber abzweigen auf einen unmarkierten Trampelpfad, der hin und wieder auch mal verschwindet, so dass man anhand des Geländes navigieren muss. Natürlich ein bisschen blöd, wenn man die Umgebung nicht sehen kann.

Wir mussten dann auch ziemlich überstürzt aufbrechen, da die aus den Schlafsäcken ausweichende Wärme den Frost auf dem Zelt getaut hat und dieser dann anfing, auf uns herabzutropfen. Ich weiß nicht, warum das bei einem ansonsten wasserdichten Zelt passieren kann, aber so war es. Da es dann draußen zudem langsam zu regnen anfing, war es ohnehin das Beste, so schnell wie möglich zu verschwinden, bevor es noch schlechter wird, richtiger Schneefall o.ä.
Wir hatten Glück, dass wir uns gerade an der Gabelung unsere Weges befanden, so dass wir weiter dem gut sichtbaren Schotterweg folgen konnten. Einziger Nachteil war, dass wir uns damit unweigerlich auf den Weg zurück nach Thredbo begaben, da ansonsten kein anderer Weg zur Main Range führt. Eine andere Wahl hatten wir aber ohnehin nicht, da wir nicht dort oben weitergehen konnten, und Warten auf Wetterbesserung war auch keine Option wegen der Zelt"inkontinenz".

Hätte auch keinen Sinn gehabt, denn die Wetterbesserung kam erst am Nachmittag, und dann hätte es mit der Zeitplanung unserer Route ohnehin nicht mehr hingehauen.
Weiterhin ratlos haben wir erstmal Charlotte Pass erreicht, ein beliebtes Tagesausflugsziel, wo wir uns so etwas wie einen überdachten Picknickplatz erhofften. Immerhin waren wir ohne Frühstück aufgebrochen, und im Stehen im Nieselregen macht das ja auch nicht so richtig Spaß.
Die einzige touristische Einrichtung war dann das Toilettenhaus. Tja und da unsereins ja vor gar nichts zurückschreckt, haben wir in dessen Eingangsbereich Schutz vor Wind und Regen gesucht und erst mal den Campingkocher ausgepackt und Tee gekocht...
Darüber ist uns immerhin eingefallen, dass wir unseren Trip retten können, wenn wir einfach nach Thredbo zurück und dann dem Australian Alps walking track Richtung Süden folgen. Das ist natürlich längst nicht so spektakulär, aber besser als aufgeben.

Immerhin hatten wir auf diese Weise gute Chancen, ein bisschen wildlife zu sichten: Schnabeltier, Kängurus, Wombats, Brumbies. Letztere wurden uns von Einheimischen sogar regelrecht garantiert, in der Umgebung der beiden Hütten, die unsere Nachtquartiere sein würden.
Irgendwie enttäuschend, dass wir die nächsten 3 Tage gar keine Tiere zu Gesicht bekamen. Sollte dieser "zierliche" Regenwurm alles gewesen sein?


Erst am letzten Tag, als wir schon gar nicht mehr damit rechneten (wahrscheinlich gerade deswegen), trafen wir auf eine kleine Herde Wildpferde, die unser morgendlich forsches Wandertempo in eine vorsichtige Pirsch verwandelten, so dass wir relativ nah an sie herankamen.
So hatten wir dann also doch noch ein kleines bisschen Spaß... Die letzten 4 Tage waren nämlich ehrlich gesagt ziemlich langweilig: der Weg eine Art Forstweg mit Schotterbelag, dichter werdendem Busch (den zu vermeiden war ja eigentlich Sinn der Sache mit den "Alpen" gewesen), der darüberhinaus eigentlich überwiegend aus toten Bäumen bestand aufgrund vergangener Buschfeuer.

(Ein paar mehr Bilder)