Wednesday, August 30, 2006

Nasses Schaf

Mittwoch ist der Tag, an dem ich unbedingt den früheren Bus nehmen muss, um nicht völlig abgehetzt zum Tutorium zu kommen. Der geht um 8. Bisher habe ich daher Mittwochs auf meine morgendlichen Läufe bzw. Spaziergänge verzichtet, aber mittlerweile fühle ich mich richtig schlecht und erschöpft, wenn ich morgens nicht draußen war, da ich ja ansonsten den ganzen Tag drinnen sitze.
Da ich morgens nichts mehr hasse als zu hetzen, dachte ich, ich stehe mal um 5 auf, um genug für die "ganze Runde" und ein gemütliches Frühstück zu haben.

Die "ganze Runde" ist diese:
Der schmale grüne Streifen um die Halbinsel Cremorne Point, nennt sich Cremorne Point Reserve und ist ein Stück Buschland, das die Anwohner liebevoll ehrenamtlich unterhalten. Sehr beliebtes morgendliches Ziel von Walkern und Joggern.


Jedenfalls, leider hat es um 5 wie aus Kübeln gegossen. Eine halbe Stunde später war es zum Glück schlagartig vorbei, so dass ich endlich raus konnte an die frische Luft. Unglaublicherweise war es irgendwie total schwülwarm, noch nicht richtig hell dazu, aber das hat mich nicht sonderlich gestört (Sonnenaufgang ist zur Zeit gegen 6).
Und dann: herrlich! Der Regen hatte die ganzen Düfte der Büsche und Bäume hervorgespült. Ich bin die ganze Stunde lang schnuppernd durch dieses "Reservat" gelaufen, fast schon hyperventilierend, damit mir auch ja kein Duft entgeht. Ein sehr amüsanter Geruch lag den anderen zugrunde: nasses Schaf. Oder nasser Schafwollpullover. Schurwollpullover? Na egal. Ich glaube, das sind die Palmen, die im nassen Zustand so riechen; bei Eukalyptus ist mir das jedenfalls noch nicht aufgefallen.
War schon witzig, in dieses kleine Streifchen Buschland einzubiegen und nasses Schaf zu riechen.

Und jetzt gehe ich meine Studenten quälen!

Tuesday, August 29, 2006

Versprecher

Ich war durchaus ein bisschen stolz auf mich, als ich schon nach einigen Wochen ununterbrochenen Englisch-Redens meinen ersten Versprecher produziert hatte. Stolz, weil Versprecher unbewusst ablaufen und ich das als Zeichen dafür sehe, dass Englisch wenigstens halbwegs zu einer Sprache geworden ist, die mir mehr oder weniger automatisch - unbewusst - über die Lippen kommt.

Nicht zu vergessen in diesem Zusammenhang, dass ich mittlerweile auf Deutsch immer öfter einen Satz anfange, aber dann bemerke, dass ich die Englische Wortfolge "geplant" hatte, was ja oft nicht übereinstimmt.
Ganz beliebter Versprecher bei mir: "tag questions" im Deutschen. Haben wir nicht. Nicht in dieser Form: "That's kind of annoying, isn't it?". Sage ich trotzdem: "Das ist doch irgendwie nervig, ist es nicht?".

Zurück zu den "richtigen" Versprechern.
Der erste, den mein sprachlich überfordertes Hirn produziert hat, war
Next Monday is Birth's Qu-... (intended: is Queen's Birthday - ein Feiertag)
Dann: ...both genres in a wroten and sp-... (in a written and spoken manner)
Auch schön: time-confusing (für time-consuming)
Oder: ...contact them regarding the questions in paper (the papers in question)

Der nächste Versprecher ist mal wieder ein Zeichen dafür, wie das Englische so langsam meine Muttersprache, etwas dramatisiert, untergräbt:
Zum Glück hab ich schon meine Rente bezahlt für September. (dt. 'Miete' / engl. 'rent', aber das wisst ihr natürlich)
Was hab ich mich erschreckt.

Monday, August 28, 2006

Leech attack!!

Iiiigitt! (Das schon mal vorweg!)
Der Samstag hat so schön angefangen; was heißt schön, ich musste immerhin in aller Herrgottsfrühe aufstehen um mich auf die lange Reise mit dem öffentlichen Nahverkehr nach Epping zu begeben (ja, nach Epping!) - um die anderen Leute vom bushwalking club zu treffen (übrigens nur um nachher festzustellen, dass einer der Typen in Neutral Bay wohnt und mit dem Auto gefahren ist).

Jedenfalls, die Wanderung war ebenso kurz wie unspektakulär - was nicht heißt, dass sie nicht nett war, nur würde ich den Typ Buschland, den wir so "hinterm Haus" haben, mittlerweile als recht gewöhnlich bezeichnen... Der Spannendste Moment war, fand ich, als uns Leute entgegenkamen und ankündigten, in der nächsten Höhle am Wegrand wäre eine rieeesige Spinne. Tot allerdings. Was ich gut fand, weil das vor allem hieß, wenn sie tot ist, werde ich endlich mal eine sehen!! Habe ja in den ganzen Monaten hier noch nicht ein einziges Exemplar in freier Natur gesehen. Nicht, dass ich so sehr Freude daran hätte; aber ihr wisst ja, das Schreckliche hat oftmals einen genauso großen Reiz...

In besagter Höhle und Umgebung war dann keine Spur von einer riesigen Spinne, nicht mal von einer toten. So langsam fange ich an zu glauben, dass das alles nur ein Gerücht ist mit all den fürchterlichen Tierchen in Australien...
Bis wir dann Mittagspause gemacht haben nicht weit von einem kleinen Flüsschen. Saßen alle gemütlich auf dem Boden, Sonnenschein, Frösche quakten usw. Dann - ein Pieksen an meinem Knöchel. Als ich hinsah, wusste ich eigentlich nicht, was es war, da war nur ein schwarzbraunes raupenartiges Ding, aber ich dachte noch, dass Raupen normalerweise nicht beissen, als ich es, begleitet von einem netten kleinen Schrei des Entsetzens, mit dem Handrücken wegfegte.

"Es", das war ein Australian land leech, sprich ein Blutegel. Hässliches Ding (dafür eines der wenigen untödlichen Viecher in Australien), und obwohl es gerade erst unsanft weggewischt worden war (das war wohl gerade in letzter Sekunde, bevor es sich ernsthaft an meiner Knöchelarterie genüsslich tun konnte), nimmt es doch sofort wieder Kurs auf mich! Ekelhaft! Ich gebe zu, dass es letztendlich an jenem Samstag noch sein Leben gelassen hat. Betone jedoch, dass nicht ich dafür verantwortlich bin. Habe sogar die anderen, als sie sich dann alle um mich und das arme Ding versammelt hatten, davon zurückgehalten, es einfach aus böser Absicht totzutreten. Nein, ich glaube, das Ding ist schlicht und einfach vor unseren Augen verhungert!

Wednesday, August 23, 2006

Wieder ein coastal walk

Hatte letztes Wochenende mal wieder die Gelegenheit, bei schönstem Wetter (wie immer eben) einige bisher unbekannte Ecken von Sydney zu erforschen.
Tat das auf einer kleinen Wanderung von Rose Bay nach Watsons Bay, was zu den Eastern Suburbs gehört und von Neutral Bay aus sogar mit der Fähre zu erreichen ist (erwähnte ich, dass die Fähre mein liebstes öffentliches Verkehrsmittel in Sydney ist?).
Am Spektakulärsten war wohl der Stadtteil Vaucluse: vor allem deswegen, weil ich gar nicht wusste, wie sehr exklusiv er ist. Überwachungskameras, wo man hinblickt... Fast noch extremer als beim Kirribilli House (der Residenz des Prime Ministers), nur dass in Vaucluse nicht auch noch Security-Leute rumlaufen.
Am Schockierendsten war allerdings meine Entdeckung, dass Scones bei Bakers Delight in Rose Bay doppelt so groß sind wie die bei Bakers Delight im Uni-Shoppingcenter, aber trotzdem genauso viel kosten.

Friday, August 18, 2006

Hab mich gefunden!

Jetzt habe ich mich auch endlich selbst auf dem City2Surf Video entdeckt! Ich glaube, die haben den Link aktualisiert, und jetzt erst sind die richtigen Läufer zu der entsprechenden Zeit zu sehen.
Ich komme nach ca. 8s ins Bild, hinter einem größeren Pulk Läufern, ziemlich am linken Bildrand (kurz nachdem einer der Läufer in der Mitte jubelnd die Arme hochreisst). Hellblaues Shirt, schwarze Shorts. Ist natürlich wenig spektakulär, weil man trotzdem fast nichts erkennen kann...

Vor-Feuerwerk

Dies kann man vermutlich nur einen ganz kleinen Vorgeschmack auf das Silvesterfeuerwerk nennen...




Habe nicht rausgefunden, zu welchem Anlass dieses Mini-Feuerwerk eigentlich stattfand (ist ja auch egal!); habe mir aber sagen lassen, dass jetzt - wo der Sommer vor der Tür steht - immer mal wieder Feuerwerke am Circular Quay sind, bis dann schliesslich an Silvester wieder das größte Feuerwerk der Welt abgefeuert wird.
Ich weiss, es ist jetzt noch gar nicht die Zeit dafür, aber ich habe gerade Bilder vom letzten Silvester gefunden; da freue ich mich doch direkt darauf, dieses Jahr hautnah mit dabei sein zu können!

Wednesday, August 16, 2006

City 2 Surf

Ach, da war doch noch was. Habe letzten Sonntag meinen "Probelauf" für den Halbmarathon im September absolviert. Der "City2Surf" ist Australiens größter Fun Run, und groß war der wirklich, denn es sind über 63.000 Leute mitgelaufen bzw. -gegangen. War ganz schön voll!

Wegen all der vielen Läufer hat es dem Startschuss 13 Minuten gedauert, bis ich dann auch endlich die Startlinie überqueren konnte. Meine offizielle Zeit von 88:32 ist allerdings 5 Minuten zu lang (weil die sich nach dem Startschuss für meine Gruppe richtet, aber auch in meiner Startgruppe hat es 5 Minuten gedauert, um endlich an der Startlinie anzugelangen), jedenfalls hat meine eigene Uhr 83 Minuten angezeigt. Das ist offiziell der 15.029ste (!) Platz. Von 53.669 finishern.

Oh, es waren übrigens 14km. Start war am Hyde Park in der City, Ziel am Bondi Beach - deswegen "City2Surf" :) Nach den ersten 6km recht ebener Strecke musste man sich für knapp 4km den "Heartbreak Hill" hochquälen; Dann 4km fast nur bergab, zum Strand runter.
Blöderweise gibt es keine Bilder von den einzelnen Läufern; na gut, das wäre vielleicht auch etwas zu viel verlangt bei der Anzahl. Statt dessen gibt es Videoclips vom Zieleinlauf, auf denen man sich angeblich auch sehen kann - wenn man seine Startnummer auf der website eingibt, erhält man einen Videoclip (Kamera 2), von dem man eigentlich annehmen sollte, dass er so ziemlich die Zeit des eigenen Zieleinlaufs zeigt. Ich habe mich selbst allerdings noch nicht entdeckt, auch wenn es zwei oder drei Leute in dem Gewusel gibt, die ich sein könnten, aber auch irgendwie nicht.

Monday, August 14, 2006

Vollmond um 6.45h

Ich muss endlich mal die Bilder nachliefern! Habe letzten Donnerstag meine Kamera auf meinen morgendlichen Spaziergang mitgenommen. Hatte auf einen ähnlich spektakulären Sonnenaufgang gehofft wie am Tag zuvor (tiefroter Himmel über der City), aber es gab keinen. "Nur" den dicken Vollmond:







Wednesday, August 09, 2006

Was nettes für den Lebenslauf...

Heute habe ich außerdem mehr oder weniger erfolgreich mein erstes "Unterrichten" hinter mich gebracht. Ich gebe zwei Tutorien für die Einführung in die Psycholinguistik. 3. Semester. Gott, sind die jung!
Die meisten Leute waren allerdings unvorbereitet - wussten angeblich nicht, dass sie Texte vorzubereiten haben. Ist halt ein bisschen schade, wenn von 10 Leuten nur 3 wirklich mitdiskutieren. Tja, aber es war zu meiner Zeit nicht anders, ich geb's zu. Noch schlimmer war das zweite Tutorium; da sind überhaupt nur 3 Leute, und eine war vorbereitet. Die anderen beiden mussten dann versuchen, in einer Viertelstunde den Text zu überfliegen, um wenigstens ein bisschen mitreden zu können.
Mir kann das zum Glück mehr oder weniger egal sein, muss ja keinen Kurs bestehen... Und bezahlt werde ich so oder so...

Volkszählung

Gestern hatte ich die große Ehre, meinen Beitrag zur australischen Bevölkerungsstatistik zu leisten. Hier in Australien gibt es noch so etwas wie Volkszählungen. D.h., korrigiert mich, wenn ich irre, aber in Deutschland haben wir das nicht, oder? Weil man ja eh beim Einwohnermeldeamt gemeldet ist (hier gibt es das ja nicht)? Ist mir jedenfalls nicht bewusst, dass ich jemals an einer Volkszählung teilgenommen hätte.
Jedenfalls, hier ist Beteiligung Pflicht, und es kostet sogar Strafe, wenn man das Ding nicht ausfüllt! Wählen ist übrigens ebenfalls Pflicht. Kostet ebenfalls Strafe, wenn man ohne guten Grund nicht zur Wahl erscheint. Tja, so ein freies Land - aber bei solchen Dingen holen sie die Kontrolle dann wieder nach.

Friday, August 04, 2006

Bushaltestellenwarteschlangendynamik

Ich nehme ja morgens faulerweise den Bus hoch zur Hauptbushaltestelle in Neutral Bay Junction (ich darf das, weil ich jetzt morgens immer ein Stündchen am Wasser entlang jogge oder gehe), was mir immer 20 Min. Zeit gibt, mich ein bisschen zu sonnen und die Warteschlangen sehr genau zu beobachten, während ich auf den anderen Bus warte. Dabei ist mir aufgefallen, dass das Schlangestehen, das ich vergangenen Montag beobachtet habe, eine regelrechte Dynamik beinhaltet.

Es sind drei Stände hintereinander, und am Stand A, wo die meisten Busse fahren, stellen sich die Leute in zwei parallelen Schlangen an. Kein Scherz! Neuankömmlinge stellen sich einfach hinten an, und niemand würde es wagen, sich einfach von der anderen Seite vorzudrängeln.
Am mittleren Busstand B ist nicht so viel los, aber natürlich gibt es auch dort eine ordentliche Schlange.
Am Stand C ist es wieder ein bisschen belebter, aber im Gegensatz zu Stand A stellt man sich in einer einzigen langen Schlange an, und wenn dann die 143 kommt, treten die Leute, die eigentlich auf die 140 warten (z.B. ich), einfach einen Schritt zurück aus der Schlange heraus, aber jeder bleibt in seiner Position, um sich dann, wenn die 143 weg ist, wieder zu einer Schlange zusammen zu stellen.

Da sagt ihr nichts mehr, was? :)
Ist aber übrigens auch bisher die einzige Bushaltestelle, an der ich so etwas beobachtet habe.