Bevor ich mich darüber auslasse, finde ich, ihr solltet noch mal die Aussicht von meinem Zuhause genießen, kurz vor dem Gewitter gestern Nachmittag und gestern Abend, als es eigentlich immer noch gewitterte, aber irgendwie auch nicht...


Das mit dem Ausblick ist dann nämlich leider auch schon wieder vorbei, da meine Mitbewohnerin Orla und ich bis Ende des Monats ausziehen müssen. Mag sein, dass Harumi mein Zimmer tatsächlich als Arbeitszimmer haben möchte, aber Orla dann anzubieten, sie könne bleiben, wenn sie die Hälfte der Miete übernimmt - ohne es allerdings zu nutzen, denn sie arbeitet nicht zu Hause, und überhaupt, wer will schon ein kleines Arbeitszimmer mit jemandem teilen, noch dazu jemandem wie Harumi??!! (wenn ich ehrlich bin fand ich sie schon immer ein wenig komisch, von daher vielleicht gut, dass ich ausziehe) - jedenfalls kann und will Orla sich das nicht leisten und muss eben auch ausziehen.
Ich glaube eigentlich, Harumi wollte uns sowieso loswerden. Eigentlich würde sie die Wohnung am liebsten nur für sich haben, aber wenn man sich's nicht leisten kann, muss man halt Kompromisse eingehen, oder?! Sogar ich habe vor einiger Zeit aufgehört, abends im "Wohnzimmer" fernzusehen, da ich immer das Gefühl hatte, ihr im Weg zu sein.
Nochmal, vielleicht um so besser, dass ich ausziehen muss. Ich habe auch schon etwas recht Nettes gefunden, das heißt der Typ, der mein Mitbewohner werden würde, ist (wirkt zumindest) richtig nett, und ich bin im Moment auch seine "1. Wahl". Daumen drücken, dass das klappt!
Ein klein wenig nervenaufreibend ist es nämlich schon, innerhalb von nur 4 Wochen etwas halbwegs nettes zu finden.
Das ist eins der Dinge, die ich in Deutschland als leichter empfunden habe: Man kann irgendwie nicht so Hals über Kopf rausgeschmissen werden. Manchmal fand ich das mit der dreimonatigen Kündigungsfrist ja ein bisschen übertrieben, auch wenn man sich selbst um einen Nachmieter kümmern kann. Aber nur 1 Monat, und das, wenn man ausziehen
muss!
Bewerbungen sind übrigens auch viel einfacher in Deutschland! In Ermangelung eines Angebots für ein bisschen unterrichten (so wie letztes Semester) musste ich mich nach einer Alternative umsehen, und fand einen Job an der Unibibliothek für Aufgaben wie, naja, Bücher in die Regale zurücksortieren und allgemeine Auskünfte geben. Auch wenn ich natürlich überqualifiziert bin für solch einen Job bin ;) er ist wenigstens an der Uni.
Tja, nun sollte man meinen, für so einen einfachen Job bewirbt man sich mal eben schnell und unkompliziert? Nix da. Die Prozedur ist für jeden Job gleich: es gibt eine Art Fragenkatalog bzw. Einstellungskriterien, und zu jedem einzelnen Kriterium muss man Stellung nehmen.
Hier sind die 11 für einen Job als Regaleinsortierer:
1) Completion of year 12 OR equivalent relevant experience or combination of relevant experience and education/training.
2) Ability to develop understanding of the business of the Library and to relate it to the day to day operation of shelving service.
3) Ability to use a keyboard and develop proficiency in standard office software, email and the internet and the use of electronic office equipment.
4) Ability to develop understanding of the role of Information Resources and some experience in providing administration or general support.
5) Understanding of client focused service delivery.
6) Ability to work to deadlines and understand the impact of non-achievement of tasks in a client service environment.
7) Oral and written communication skills and ability to represent the Library with tact and diplomacy on routine issues.
8) Understanding of customer/client service approaches and ability to work effectively in a client service environment.
9) Ability to work independently, solve problems and use judgement using established techniques and practices.
10) Ability to work in a team and demonstrate leadership through own behaviour.
11) Understanding of OH&S and EO/diversity principles and willingness to work within them.
Wie gesagt, zu jedem einzelen Punkt muss man begründen, warum man das Kriterium erfüllt. Nochmal: die suchen jemanden, dessen Aufgabe es hauptsächlich sein wird, Bücher zurück in die Regale einzusortieren!!
Für die Unibibliothek an meiner alten deutschen Uni hätte einfach ein knappes Schreiben genügt, dass man sich für den Job interessiert, evtl. ob man irgendwelche Erfahrung mit Bibliotheksarbeit hat, und das war's dann. Oder vielleicht noch,
dass man mit dem PC umgehen kann, aber nicht
warum. Da sage nochmal einer, Deutschland sei zu bürokratisch!