Sunday, December 03, 2006

Canberra - und Johnny

Ich erwähnte irgendwann einmal, dass John Howard, Prime Minister von Australien, es vorzieht, im Kirribilli House in Sydney zu residieren anstatt in Canberra, wie es angemessen wäre. Weil ich aus aktuellem Anlass mal wieder mein geliebtes Down Under hervorgekramt habe, kann ich es nicht lassen, Bill Bryson ein bisschen zu zitieren (seine Ausdrucksweise ist einfach tausendmal brillianter, dafür allerdings auf Englisch):

In 1996 the Prime Minister, John Howard, caused a stir after his election by declining to live in Canberra. He would, he announced, continue to reside in Sydney and commute to Canberra as duties required. As you can imagine, this caused an uproar among Canberra's citizens, presumably because they hadn't thought of it themselves.


(Wie ich jetzt aus eigener Erfahrung sagen kann, da ist was dran... Aber ich bleibe noch ein bisschen bei Johnny, weil's so schön ist.)

What made this particularly intersting is that John Howard is by far the dullest man in Australia. Imagine a very committed funeral home director - someone whose burning ambition from the age of eleven was to be a funeral home director, whose proudest achievement in adulthood was to be elected president of the Queanbeyan and District Funeral Home Directors' Association - then halve this personality and halve it again, and you have pretty well got John Howard.
When a man outstandingly colourless as John Howard turns his nose up at a place you know it must be worth a look. I couldn't wait to see it.


Ich nehme vorweg, dass sich Bill Bryson's Vorfreude nicht lange hielt, und auch aus Erfahrungsberichten von Leuten meines Vertrauens habe ich schon so viel "Gutes" über Canberra gehört, dass ich eigentlich wusste, früher oder später würde ich mir - allen Warnungen zum Trotz - ein eigenes Bild von der Hauptstadt machen müssen.
Ich fahre ein Weilchen fort mit Bill Brysons Worten:

You approach Canberra along a dual carriageway through rural woodland, which gradually morphs into a slightly more urban boulevard, though still in woodland, until finally you arrive at a zone of well-spaced but significant-looking buildings and you realize that you are there - or as near there as you can get in a place as scattered and vague as Canberra. It's a very strange city, in that it's not really a city at all, but rather an extremely large park with a city hidden in it. It's all lawns and trees and hedges and a big ornamental lake - all very agreeable, just a little unexpected.


Und genau so ist es. Letztes Wochenende war es endlich so weit, dass ich diesen aufregenden Schritt gemacht habe, die Hauptstadt zu besuchen. Das heißt, in erster Linie bin ich mit Josh mitgefahren, um seinen Freund Luke in Canberra zu besuchen, nicht wegen Canberra selbst. Vielleicht auch besser so.
Man möchte sich ständig fragen, sind wir schon da? Ist das jetzt schon Canberra oder nicht? Wohlgemerkt, sobald man aus Sydney raus ist und auf die M7 abgebogen ist, verbringt man fast 200km auf der Autobahn, ohne an irgendwelchen nennenswerten Ortschaften vorbeizukommen. Zwischen Sydney und Canberra ist nichts.
Ich erwähne noch kurz, dass Canberra vor etwa 90 Jahren auf dem Reißbrett entworfen wurde und das eigentlich nur, weil man sich nicht entscheiden konnte, ob Sydney oder Melbourne die Hauptstadt sein sollte. Dementsprechend wollte man irgendwo zwischen diesen beiden Städten eine Stadt als "Kompromiss" in den Busch setzen, wobei ich nicht nachvollziehen kann, warum Canberra bzw. ACT (Australian Capital Territory) sich mitten in New South Wales befindet (und nicht etwa an der Grenze von NSW und Victoria) und überhaupt viel näher an Sydney ist als an Melbourne.

Und damit hat es sich eigentlich schön erschöpft, was ich über Canberra zu sagen habe... Ich habe mich außerdem strikt geweigert, Fotos zu machen, da es einfach nichts wirklich Sehenswertes gibt. Kein toller Hafen, keine historische Altstadt; selbst das Umland, normalerweise lieblich hügelig und bewaldet, ist leider kürzlich Buschfeuern zum Opfer gefallen...

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