Saturday, September 01, 2007

Der etwas andere Lauf

Mein letzter richtig langer Lauf vor dem Marathon!
Ganze 4 Stunden, oh mein Gott. Bin also mal wieder früh morgens mit dem Zug in die Wallachei getuckert, diesmal ein wenig weiter raus, um mal was Neues zu sehen als immer die gleiche Strecke. Sonst wird das irgendwann so öde wie auf dem Laufband laufen...

Ein Kollege von mir ist mitgekommen; der hat keinerlei Marathon-Ambitionen, und deswegen war ich ein wenig skeptisch, dass er von seinem 2-Stunden-Lauf, den er irgendwann mal hatte (vor Wochen oder so) plötzlich auf 4 Stunden steigern wollte.
Ich glaube, er wollte mir nur was beweisen...

Na, mein Plan war gewesen, ihn auf halber Strecke abzusetzen sozusagen, das wäre ohnehin relativ nahe dort gewesen, wo er wohnt (der Kerl hat sich nicht davon abschrecken lassen, dass es erstmal ne halbe Stunde Busfahrt ist nach Chatswood, wo wir uns im Zug getroffen haben, und dann nochmal ne halbe Stunde mit dem Zug nach Hornsby, wo wir losgelaufen sind). Jedenfalls, von Hornsby läuft man über Epping (ja, das Epping, wo ich mal wohnte, und welches auf halber Strecke liegt) nach Chatswood, nur durch den Busch, auf dem Great North Walk, den ich bislang immer von Chatswood aus gelaufen bin (immer hin und den gleichen Weg zurück). Daher wollte ich heute zum ersten und letzten Mal in eine einzige Richtung laufen, und außerdem kannte ich das Stück zwischen Hornsby und Epping noch nicht.

Oder vielmehr, ich kenne es immer noch nicht... Tja, aufgrund eines wirklich merkwürdigen Irrtums habe ich bzw. wir ziemlich gleich zu Beginn die falsche Abzweigung gewählt und sind den Weg fröhlich in die falsche Richtung gelaufen. Was mir erst nach 50min aufgefallen war, und dann war es sowieso zu spät zum Umkehren (weil ich nicht mehr innerhalb von 4 Stunden nach Chatswood gekommen wäre).
Innerlich etwas unzufrieden mit der Sache haben wir den Weg aber fortgesetzt, das hieß halt, dass wir dann denselben Weg nach Hornsby zurücklaufen mussten. Was ich ja eigentlich habe verhindern wollen, nur dieses eine Mal! Aber diesen Weg kannte ich wenigstens noch nicht.

Und was soll ich sagen, wir hatten den allergrößten Spaß. Zwar verlief der Weg über Strecken sehr sonnenexponiert auf einem fire trail entlang (das ist so etwas wie ein "Forstweg", nur anders :>) und jener fire trail war ein wenig langweilig; meine bush runs sind sonst immer einfache Trampelpfade über Stock und Stein - wortwörtlich. Das kam dann zum Glück auch wieder. Sogar mehr als das... - huch:


(Als verantwortungsbewusster trail runner habe ich natürlich stets mein Handy dabei, man weiß ja nie, über was für Wurzeln man dumm stolpert. Obwohl es natürlich auch nicht sonderlich viel nützt, wenn man irgendjemandem mitteilt, dass man irgendwo zwischen A und B, wo man nur zu Fuß hinkommt, mit einem verstauchten Knöchel sitzt. Jedenfalls, für den gelegentlichen Schnappschuss zwischendurch ist es natürlich überaus nützlich.)

Die kleine Kletterpartie war eine nette Überraschung auf halbem Wege. Auf dem Rückweg sah das ganze dann schon ein bisschen anders aus (Hinweg war eigentlich bergab), als die Schlucht wieder erklommen werden wollte. Mit vielen Steintreppen usw. (Treppen sind das Schlimmste, was mir beim Laufen oder Wandern passieren kann). Die haben meinem Kollegen dann schließlich den Rest gegeben, das war nach 3 Stunden. Das hat ihm natürlich gar nicht gepasst, wie steht er denn jetzt da! Das Problem war halt auch gewesen, dass es mit der ungewollten Planänderung keine Möglichkeit gab, ihn nach 2 Stunden davon zu überzeugen, dass es vielleicht genug ist. Da hatte er's dann.

ICH musste aber eigentlich noch eine Stunde laufen, passte mir also gar nicht, dass er schwächelte. Er konnte aber zum Glück seine Wadenkrämpfe temporär auskurieren und dem dann wieder erreichten fire trail sei dank ging es erst mal eine Weile gut, bis es dann wieder richtiger bush track wurde. Der Ärmste konnte wirklich nicht mehr. Hab ihn dann gehend zurückgelassen - ich weiß, nicht sehr verantwortungsbewusst, aber ich hatte noch 40 Minuten zu bewältigen, und ich hatte ihn die letzten Tage über mehrfach gewarnt. Und ich hab Pfeile aus Stöckchen auf den Boden gelegt.

Ging alles gut letzendlich. Muss nächste Woche wahrscheinlich nur ein paar therapeutische Fähigkeiten an den Tag legen (die ich nicht habe), um ihm die fixe Idee aus dem Kopf zu vertreiben, dass ich ihn "besiegt" habe. Ich meine, ich hab nie behauptet, dass dies ein Rennen war... Und überhaupt, ich hab ihm von Anfang an gesagt, dass man nicht mal eben so 4 Stunden laufen kann. Also kann vielleicht schon, aber ich denke, er wird sich die nächsten Tage ziemlich mies fühlen.
Und ein bisschen freue ich mich doch insgeheim, denn ich hab all die Wochen Training hinter mir - hätte er mal eben problemlos mit mir mithalten können, wäre ICH diejenige, die frustriert wäre ;)

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