...haben Sie besser keine Fragen.
Oft sind es ja die kleinen Dinge, die die größte Freude bereiten, und ebenso häufig sind es die kleinen Dinge, diese Selbstverständlichkeiten aus dem Alltag, derer man sich erst bewusst wird, wenn es sie nicht mehr gibt.
Die Packungsbeilage. Gibt's für mich nicht mehr. Braucht man hier nicht. Ich bin sicher, das ist Teil der australischen easy-going-Mentalität, denn: auch Apotheker wissen anscheinend nicht mehr als man selbst, und falls der Arzt irgendwelche Zusatzinformationen zum Medikament hat, behält er (oder sie) es für sich. Why bother - ??
Ich habe ein Medikament verschrieben bekommen gegen einen alljährlich hartnäckig wiederkehrenden aber ansonsten harmlosen Hautausschlag. Bisher hatte ich etwas zum Auftragen auf die Haut und Einwirkenlassen über Nacht. Jetzt sind es Tabletten. Viiiiel praktischer. Dachte ich.
Meine Ärztin hat außer "1x täglich" nichts weiter dazu gesagt, und dann gehe ich natürlich davon aus, dass es sich damit hat.
So. Normalerweise, wenn ich ein mir unbekanntes Medikament bekomme, lese ich pflichtbewusst die Packungsbeilage, bekomme große Augen ob der möglichen Nebenwirkungen, prüfe drei Mal, ob das Glukosamin-Präparat, von dem ich denke, dass ich damit meinen Knien während dieses extrem-Lauftrainings etwas Gutes tue, auch wirklich nicht bei den Gegenanzeigen aufgeführt ist, usw. Und nicht zu vergessen nochmal die Beschreibung nachlesen, um was für ein Krankheitsbild es sich eigentlich handelt (gut, in meinem Fall war mir das ja bekannt), da man sich die Details, die man vom Arzt bekommt (wenn man sie bekommt), selten länger als bis zur nächsten Straßenecke merken kann.
Ist hier nicht. In der Apotheke drucken die dann so eine Art Mini-Packungsbeilage auf die Schachtel: 1x täglich morgens mit Nahrung, allerdings KEINE Milchprodukte in den nächsten 2 Stunden. Ach. Muss meine Ärztin vergessen haben zu erwähnen. Außerdem keine "antacids".
Oh. Was? Ich konnte wohl acid=Säure identifizieren, aber was genau antacids nun sind - mal nachfragen. Der Blick der Apothekerin flackerte ganz kurz aber mit unsicherem Ausdruck zu ihrer Kollegin, bevor sie sich aus den Fingern sog, dass das z.B. säurehaltiges Obst sei, wie Äpfel. Oder Orangen. Ach. Die Kollegin schaltete sich dann ein mit der Erklärung, alles, was im Magen "für Aufruhr" sorgt - also auch Bohnen u.a. Soso? Irgendwas hakte da doch. Diese Vorsilbe...
In dem Moment kam ich nicht drauf, ich war mit der Vorstellung beschäftigt, mein Müsli mit Joghurt durch Müsli mit Sojamilch zu ersetzen und Tee mit Milch durch Tee mit Sojamilch. (Sojamilch schmeckt übrigens gar nicht schlecht, hat einen starken Eigengeschmack aber angenehm, vielleicht ein bisschen zu süß und im Vergleich zu Milch zu wässrig.)
Mittlerweile wende ich mich ja schon routinemäßig an Wikipedia, um Sachen nachzulesen. Und staunte nicht schlecht, herauszufinden, dass antacids diese Mittelchen gegen Sodbrennen sind. Nix säurehaltiges Obst, nix blähungsfördernde Nahrungsmittel.
Also, denkt dran, nächstes Mal wenn Ihr etwas verschrieben bekommt: die Packungsbeilage ist eines dieser unscheinbaren Dinge, die wir als selbstverständlich hinnehmen, aber vermissen würden, wenn sie nicht mehr da sind. Ein bisschen ähnlich doof, wie plötzlich mit der anderen Hand Zähne putzen müssen. ;)
Und ich gehe jetzt reiten!
Sunday, August 05, 2007
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